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Geschichte
Geschichte
Geschichte: Die Anfänge der tschechischen Bühnenkunst in Pilsen liegen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Damals wurde in Sälen von Gasthäusern, aber auch im großen Saal des Pilsner Rathauses gespielt. In jener Zeit gastierte Josef Kajetán Tyl mit seiner Wanderbühne einige Male in Pilsen, wo er auch 11. 7. 1856 im Alter von 48 Jahren verstarb. Josef Kajetán Tyl war Schriftsteller, Schauspieler und engagierte sich der kulturpolitischen Bewegung der "Tschechischen Nationalen Wiedergeburt". In Erinnerung an seine Verbundenheit mit Pilsen und seine Verdienste für die tschechische Kultur trägt das Pilsner Theater seinen Namen.
Ab 1832 fanden in einem heute nicht mehr existierenden Theater, im Gebäude, an dessen Stelle jetzt die heutige Technische Fakultät der Pilsner Universität steht (ein Stückchen unterhalb dieses Gebäudes), Theateraufführungen statt. Am 1. November 1865 eröffnete der Theaterdirektor Pavel Švanda hier die erste tschechische Bühnensaison mit Shakespeares Tragödie "Romeo und Julia". Die deutsche Bevölkerung Pilsens wollte diesem tschechischen Theater etwas entgegensetzen und so wurde 1869 das Deutsche Theater Pilsen eröffnet, das spätere "Kleine Theater", das aber leider in den 70er Jahren vorriges Jahrhunderts völlig abgerissen wurde, und an seiner Stelle wurde ein Bankgebäude (Komerční banka) in der Goethestraße errichtet.
1902 schließlich wird der Theaterbetrieb im "Städtischen Theater", heute "Großes Theater", feierlich aufgenommen. Der erste Direktor war Vendelín Budil, ein hervorragender Schauspieler, Regisseur und Pädagoge in einer Person. Bekannt wurde er als Darsteller in Shakespeareschen Dramen - seiner schauspielerischen Leistungen wegen findet sich seine Photographie (in der Rolle König Lears) auch im Shakespearemuseum in Strattfort, England. Während seiner Wirkungszeit kam auch der junge Dirigent Václav Talich nach Pilsen und begründete die Pilsner Operntradition. Eine weitere wichtige Persönlichkeit des Pilsner Theaters war Zdeněk Hoffbauer, der nach dem 2. Weltkrieg (1950 - 53) als Direktor tätig war.
Das Theater setzt sich heute aus 4 Ensembles zusammen: Oper, Operette, Sprechtheater und Ballet. Dies ermöglicht auf drei Bühnen gleichzeitig zu spielen - im Großen Theater, im Kammertheater und auf der kleinen Bühne des Theaterklubs. Um den reibungslosen Ablauf des Theaterbetriebs kümmern sich 410 künstlerische und technische Mitarbeiter, was jährlich etwa 15 Premieren und insgesamt etwa 480 Vorstellungen ermöglicht.
Die Pilsner Theaterensembles erfreuen sich auch im deutschsprachigen Ausland wachsender Beliebtheit. Für die nächste Saison werden bereits weitere Gastspiele vorbereitet.
Zuschauerraum
Das Große Theater wurde in sehr kurzer Zeit - von 1899 bis 1902 - nach den Entwürfen des Architekten Antonín Balšánek errichtet und steht in stilistischer Hinsicht am Wendepunkt von Klassizismus und Jugendstil. An der künstlerischen Ausgestaltung beteiligten sich die Maler und Bildhauer Amort, Walter, Popp, Sucharda und Urban. Das Theater wurde am 27. September 1902 feierlich mit Smetanas Oper "Libuše" eröffnet. Eine Generalrenovierung wurde 1980 - 86 nach den Plänen Pavel Němečeks vorgenommen. Ziel der Renovierung war von Beginn an, das Theater in seinem ursprünglichen Aussehen und Ausgestaltung zu erhalten. Beachten Sie zum Beispiel die roten Tapeten an den Wänden. Ebensolche befanden sich hier zur Eröffnung 1902. Während den Renovierungsarbeiten wurde nämlich zufällig in der Theaterwerkstatt die ursprüngliche Stanze gefunden, nach der dann die neuen Tapeten originalgetreu angefertigt werden konnten.
Im Zuge der Renovierung kam es zu einer Verringerung der Zuschauerplätze, von ursprünglich 1100 Sitz- und Stehplätze auf 444 Sitzplätze. Dies war zum einen dadurch bedingt, daß die bequemen Sitze, in denen man heute Platz nehmen kann, mehr Raum beanspruchen als die früheren Holzsitze, zum anderen wurde ein Teil der Beleuchtungs- und Tontechnik in den Zuschauerraum verlegt. Hinten im Parkett, anstelle der früheren Stehplätze befindet sich die zentrale Schaltstelle für die Beleuchtung, und auf dem zweiten Balkon, anstelle der früheren Galerie, die zentrale Schaltstelle der Tontechnik, daneben befindet sich außerdem ein spezielles Aufnahmestudio.
Der Orchestergraben faßt etwa 50 Musiker. Wird das Orchester nicht benötigt, läßt sich der Boden des Orchestergraben als Ganzes oder auch nur einzelne Teile bis auf Bühnenhöhe anheben und die Bühne reicht dann bis an die erste Sitzreihe heran.
Bühne und Zuschauerraum trennen drei Vorhänge. Der erste ist aus Eisen, wiegt 10 Tonnen und dient dem Brandschutz. Der zweite Vorhang ist aus Plüsch und entspricht der Farbe der Sitze im Zuschauerraum und den dritten, aus dem Atelier des Akademiemaler Augustin Němejc, haben Sie vor sich: "Pilsen begrüßt die Göttinen der Kunst auf der Schwelle des neuen Theaters". Auf ihm sieht man von uns aus rechts: Volk in Trachten aus Pilsen und Umgebung; links die Musen des Schauspiels, des Tanzes und der Musik. Die Muse mit dem Schwert steht für die Tragödie, der Mann mit dem roten Lendengurt für die Komödie, das Mädchen mit der Lyra für die Musik und die tanzenden Mädchen mit den Tamburinen für den Tanz. Der Dudelsackpfeifer steht für die Volksmusiktradition dieser Gegend. Unterhalb der Malerei befinden sich zwei goldene Medaillons: auf dem rechten ist Ladislav Stroupežnický stellvertretend für das tschechische Drama abgebildet, auf dem linken Bedřich Smetana für die tschechische Musik. Oberhalb des Vorhangs, fast an der Decke, befindet sich das Pilsner Stadtwappen. Auf den ersten Blick scheint nichts Besonderes an diesem Wappen zu sein. Es läßt sich allerdings aufklappen und dahinter befindet sich ein Schrank mit den Unterlagen zu Bau und Renovierung des Theaters.
Wenn Sie zur Decke blicken, fällt sofort der gewaltige Kronleuchter ins Auge, der 1.800 kg wiegt und mit 208 Glühbirnen bestückt ist und zur ursprünglichen Ausstattung des Theaters gehört. Er hängt an einer elektrischen - früher manuellen - Winde, mit deren Hilfe man ihn fast bis hierher auf den Boden absenken kann, um ihn zu reinigen u.ä. Um den Kronleuchter gruppieren sich allegorische Sinnbilder, die Tragödie, Komödie, Musik und Tanz darstellen, und von F. Urban gemalt wurden.
Eine Spinne bringt Glück! - heißt es. Damit das Glück den Menschen auch im Theater treu bleibt, hat man dafür gesorgt, daß sich hier eine Spinne aufhält - am II. Balkon rechts. Verschwinden kann sie nicht, da sie aus Stuck ist.
Der Fußboden des vorderen Bühnenteils setzt sich aus 25 Holzplatten mit den Maßen 2 x 2 Meter zusammen, von denen jede in der Vertikalen 2,5 Meter nach oben oder unten bewegt werden kann und sich darüber hinaus auch in der Horizontalen bewegen lassen. Auf diese Weise läßt sich der Untergrund für jedes beliebige Bühnenbild herstellen. Über der Bühne befinden sich 18 Hebezüge, an denen Teile der Dekoration hängen. Zu beiden Seiten der Bühne befinden sich je zwei Kabinen. Die unverglaste Kabine links dient dem Souffleur, die verglaste dem Beleuchtungstechniker, der entsprechend der Musik Anweisung an die Zentrale Beleuchtungsschaltstelle gibt, wo mit Hilfe eines Computers jeweils die richtige Beleuchtung eingestellt wird. In der rechten unverglasten Kabine sitzt ein Brandschutzmitarbeiter und in der verglasten der Spielwart (Inspizient), in dessen Aufgabenbereich fällt z.B. Schauspieler und Sänger auf die Bühne zu rufen, der reibungslose Ablauf von Kulissenwechseln u.ä. bühnentechnische Aufgaben. Über seiner Kabine sehen Sie einen Fernsehmonitor. Es gibt mehrere solcher Monitore hinter den Kulissen, die direkt aus dem Orchestergraben v.a. die Bewegungen des Dirigenten übertragen. Sie dienen den Sängern, denen der Blick auf den Dirigenten verstellt ist (z.B. durch Kulissen) und mittels dieser Monitore können die Akteure genau sehen, wann ihr Einsatz ist. Oberhalb der Kabine des Spielwarts sehen Sie eine große graue Kabine, von der aus mittels Computer die Hebevorrichtungen und andere technische Elemente der Bühne (z.B. Vorhänge) bedient werden können. Hinter der schwarzen Holzverkleidung im hinteren Teil der Bühne befindet sich die Orgel, die v.a. während der Weihnachtszeit häufig zum Einsatz kommt.
Den vorderen und hinteren Teil der Bühne trennt wiederum ein acht Tonnen schwerer, eisener Vorhang. Der Fußboden des hinteren Teils bildet eine Drehbühne mit einem Durchmesser von 10 Meter. Die Drehbühne wird v.a. in jenen Stücken eingesetzt, in denen das Bühnenbild häufig gewechselt werden muß.
Im Zuge der Renovierung wurde ein Lastenaufzug an den hinteren Teil der Bühne angebaut, mit dem man Dekorationen und Kostüme aus dem Lager direkt auf die Bühne befördern kann. Das Lager befindet sich hier direkt unter der Bühne - dorthin wollen wir uns jetzt begeben.
Mit der Untermaschinerie der Bühnen werden v.a. die Versenktische bedient. Die Höhe der Versenktische wird mittels einer Buchstaben-Nummernkombination eingestellt. Unter uns befindet sich noch ein Raum, in dem sich die Maschinen befinden, die Auf- und Hebezüge u.ä. antreiben. Die Untermaschinerie der Bühne stammt von Škoda-Pilsen.



